KommunikOS Kurzinterview – Jakob Bienheim über Bewegtbild in der Unternehmenskommunikation

Jakob Bienheim hat mehrere Jahre als Journalist gearbeitet und ist nun in der Abteilung „Digitalisierung und Elektronische Medien“ bei der Marke Volkswagen tätig. Als Experte in den Bereichen Bewegtbildkommunikation und TV-Journalismus hat er KommunikOS-Mitgliedern einen Einblick in seine Arbeit und Erfahrungen gegeben. Wir haben diese Gelegenheit für ein Kurzinterview genutzt.

Immer mehr Unternehmen setzen sich damit auseinander, wie sie über mehrere Kanäle und Medien kommunizieren können. Volkswagen hat mehrere Mitarbeiter, die für Bewegtbild zuständig sind. Warum entscheidet sich ein Unternehmen überhaupt für diese Art von Kommunikation?
Die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird immer geringer. Es gibt immer mehr Einflüsse und deswegen muss ein Unternehmen, wenn es etwas kommunizieren will, erstmal einen Treffer landen. Ein Riesenvorteil von Bewegtbild ist hier, dass man aus der Masse an Kommunikation hervorsticht. Ich glaube, dass man deshalb an Bewegtbild überhaupt nicht mehr vorbeikommt. Zum einen hat es was mit dem veränderten Medienkonsum zu tun, aber auch damit, dass Videos immer einfacher zu produzieren sind. Gerade deshalb ist es wichtig, dass ein Unternehmen Mitarbeiter oder ganze Abteilungen hat, die auf diesen Bereich spezialisiert sind.

Was muss bei der Konzeption und Verbreitung von Bewegtbild beachtet werden, damit ein Unternehmen den gewünschten Erfolg in der Kommunikation erzielt?
Zuerst überlegt man: „Was ist meine Zielgruppe und was will ich kommunizieren? Was ist meine Botschaft?“ Und dann ist die nächste Frage, die man sich stellen sollte: „Funktioniert Video dafür?“ Natürlich gibt es viele Vorteile: Bewegtbild ist nahbar, Bewegtbild transportiert Emotionen, Bewegtbild veranschaulicht im wahrsten Sinne des Wortes Themen. Aber nicht jedes Thema lässt sich pauschal gut in einem Video transportieren und das sollte man von Anfang an bedenken.
Man muss sich genau überlegen, welchen Ausspielweg man nimmt und ob man mit dem den Erfolg hat, den man am Ende haben will. Wenn ich beispielsweise ein Video auf Facebook poste, muss das ganz anders produziert werden, als wenn ich es für interne Zwecke nutze. Man muss die Leute einfach da abholen, wo sie sind und sich den Sehgewohnheiten anpassen. Viele Menschen nutzen zum Beispiel Social Media am mobilen Endgerät und das häufig an Orten, an denen sie den Ton ausschalten. Deshalb ist es von Vorteil, wenn ein Video auch ohne Ton funktioniert und man mit Einblendungen arbeitet. Man muss das Video also so konzeptionieren, dass die Leute sich das Video auch in dem Umfeld angucken können, in dem sie ihr Handy nutzen. Wenn das nicht möglich ist, gucken sie es sich im Zweifel nämlich sonst gar nicht an.

Wo können Sie Ihre Erfahrungen aus dem journalistischem Bereich in Ihrem jetzigen Feld der Unternehmenskommunikation anwenden?
Ich glaube, dass es von Vorteil ist, wenn man als „Kommunikator“ auch die andere Seite kennt. Aus meiner Sicht ist es wichtig zu wissen, was Journalisten wirklich wollen und was sie für ihre Arbeit brauchen. Es geht ja nicht nur darum, dass man einfach nur ein Video macht, sondern dass man auch beispielsweise auf Messen oder für Vorstandsinterviews Settings so setzt, dass der Journalist damit gut arbeiten kann. Das ist Punkt 1. Punkt 2 ist, dass mir meine Zeit „draußen“ und auch die Freiberuflichkeit helfen, sodass ich heute auch sehr genau einschätzen kann, wieviel Zeit Journalisten haben und wie lange bestimmte Abläufe dauern. Man bekommt ein Gespür dafür, welcher Aufwand mit verschiedenen Dingen verbunden ist und was bestimmte Produktionsschritte kosten.

Wie wird es in Zukunft mit Bewegtbildkommunikation weitergehen?
Bewegtbild ist kein Trend, sondern es ist eine Entwicklung und die wird sich auch nicht umkehren. Ich glaube vielmehr, dass sie sich immer mehr verstärken wird, aber auch Qualität eine wichtige Rolle spielt. Heute macht jeder Bewegtbild und da kommt es eben darauf an, dass dein Video auch eine gute Qualität hat und eine Geschichte erzählt. Und das ist die große Herausforderung heutzutage.

Was würden Sie dem Kommunikationsnachwuchs in der Bewegtbildbranche raten?
Ich bin kein Fan von klaren Wegen, dass man Kommunikation studiert und dann sofort in die Kommunikation geht und bleibt. Es ist immer gut, auch links und rechts zu gucken und sich von Anfang an sehr breit aufzustellen. Man muss nicht alles gleich gut können, aber es macht einen guten Eindruck und es ist hilfreich, wenn man von allem zumindest eine Grundahnung hat und beurteilen kann, was zum Beispiel ein gutes Bild und was ein schlechtes Bild ist.

Das Kurzinterview führte Linda Koslowski