KommunikOS Kurzinterview: Jens Cornelißen über Storytelling

KommunikOS: Du hast deinen Bachelor in Kommunikationsmanagement am Campus Lingen absolviert. Nun stehst du als Lehrbeauftragter vor den Studenten und teilst dein Wissen mit ihnen. Wie fühlt sich dieser Rollentausch für dich an?
Jens Cornelißen: Großartig! Wissen teilen, sich gegenseitig inspirieren und voneinander lernen sind starke Motivationstreiber für mich. Die Arbeit mit den Studenten ist hierfür ein wunderbares Umfeld. Außerdem hat mir meine eigene Hochschulzeit in Lingen viel gegeben, wovon ich noch heute profitiere – deshalb freue ich mich, etwas zurückgeben zu können.

Die Kommunikationsmanagement-Drittsemester durften vor einigen Wochen an dem Seminar „Storytelling“ teilnehmen und in die Storyteller-Rolle schlüpfen. Wieso ist Storytelling für Kommunikationsmanager ein wichtiges Thema?
Weil Geschichten das Betriebssystem unserer Gesellschaft sind. Oder weniger bildhaft gesprochen: Storytelling ist allgegenwärtig. Wir lernen unsere Welt schon als Kinder über narrative Muster in Märchen oder Gute-Nacht-Geschichten kennen. Diese Muster ziehen sich durch bis in Hollywood-Blockbuster und sind somit unterbewusst in unserer Wahrnehmung verankert. Diese Muster zu aktivieren und für die Vermittlung von Botschaften zu nutzen, ist eine riesige Chance für Kommunikationsmanager.

Du hast es schon angedeutet: Storytelling, ist eine der ältesten Methoden, um Inhalte in einer erzählerischen Art und Weise zu vermitteln. Welche Bausteine nutzt Storytelling, um Menschen effektiver zu erreichen und was macht erfolgreiches Storytelling deiner Meinung nach aus?
Gutes Storytelling bedient sich der Elemente des klassischen Dramas: Es gibt einen Protagonisten mit einem bestimmten Schicksal, er erlebt Höhepunkte und Tiefpunkte und seine Reise löst vor allem Eines aus: Emotionen. Meiner Meinung nach sind die besten Geschichten immer die, die sich etwas zutrauen, was auch schiefgehen könnte. Oder anders gesagt: Was niemandem wehtun könnte, kann auch niemals jemanden berühren.

Stichwort: „Digitalisierung“. Welche Bedeutung spielt Storytelling in Verbindung mit dem Digitalen Wandel und im Hinblick auf die Zukunft?
Der Wandel hin zu digitaler Kommunikation steigert die Chancen für Storytelling enorm. Die Dialogmöglichkeiten in Social Media beispielsweise ermöglichen es, durch eine gute Geschichte Teil der Gespräche meiner Zielgruppe zu werden. Denn Menschen interessieren sich für Menschen und ihre Geschichten. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Nur die Art, wie wir Geschichten wahrnehmen und in welchem medialen Ökosystem wir sie diskutieren, wird sich weiterhin verändern. Und damit muss auch Storytelling kontinuierlich weiterentwickelt werden.

Was würdest du dem Kommunikationsnachwuchs ganz allgemein mit auf den Weg geben?
Seid mutig! Experimentieren, Fehler machen und daraus lernen sind keine Floskeln, sondern Kernkompetenzen unserer Profession. Wenn ihr die Chance habt etwas das erste Mal zu tun, was so noch niemand gemacht hat – macht es! Mut wird immer belohnt – sei es durch Erfolg oder durch Learnings.


Das Interview führte Christin Markus.